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Ein Femizid pro Tag? Was tun gegen häusliche Gewalt in Deutschland?

Mit Dr. Corina Apachiţe (KI-Expertin mit persönlichem Engagement gegen geschlechtsspezifische Gewalt), Gerhard Bereswill (Polizeipräsident a.D. der Stadt Frankfurt), Gloria Schmid (Koordinierungsstelle Istanbul-Konvention, Frauenreferat der Stadt Frankfurt) und Prof. Dr. Ute Zillig (Professorin für Traumasensible Soziale Arbeit)

Moderation: Petra Boberg, hr INFO

Vortrag in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen

14. April 2026, 19:00 Uhr
Evangelische Akademie, Römerberg 9, 60311 Frankfurt a.M.

In Präsenz vor Ort und im Youtube-Livestream. Ohne Anmeldung.
Ohne Reservierung. Wenn alle Plätze vergeben sind, können später
eintreffende Besucher nicht mehr eingelassen werden. Eintritt frei.

Sie haben Fragen an unsere Gäste?

Während des Livestreams können Sie Fragen stellen per Livechat oder per E-Mail an: ptg@polytechnische.de.

Zum Thema

Femizide und geschlechtsspezifische Gewalt sind auch in Deutschland eine erschreckende Realität. Allein im Jahr 2023 wurden 938 Frauen und Mädchen Opfer eines versuchten oder vollendeten Tötungsdeliktes, 360 von ihnen kamen dabei ums Leben. Fast täglich wird eine Frau hierzulande getötet, zu einem sehr hohen Anteil durch die Hand ihres Ehemanns oder Partners. Die Veranstaltung beleuchtet die Hintergründe des Problems und widmet sich zudem besonders gefährdeten Gruppen, wie etwa Frauen auf der Flucht. Beleuchtet werden strukturelle Ursachen und insbesondere die Bedeutung von Rollenbildern und patriarchalen Wertvorstellungen, die vor allem bei Jugendlichen eine große Konjunktur erleben. Betrachtet werden die typischen Umstände solcher Taten, aber auch das Agieren von Polizei und Justiz. Dabei steht vor allem die Frage im Fokus, wie wirksame Präventionsstrategien – insbesondere in Schulen und Jugendarbeit – aussehen. Wie können Gesellschaft, Bildung und Politik mutiger gegen diese Form der Gewalt vorgehen?

Bild: Clarini (auf iStock)

Die Gäste

Dr. Corina Apachite

Corina Apachite leitet den Bereich für Künstliche Intelligenz bei einem internationalen Automobilzulieferer in Frankfurt am Main. In ihrer täglichen Arbeit setzt sie sich für Diversität, Chancengleichheit und Empowerment durch Technologie ein. Ihr persönliches Engagement wurde durch einen tiefen Einschnitt geprägt: Nach dem Femizid an ihrer Schwester engagiert sie sich für all jene Frauen, deren Geschichten oft ungehört bleiben. Sie spricht über geschlechtsspezifische Gewalt, weil für sie Schweigen keine Option ist. Sie möchte Betroffenen helfen, sich von Gefühlen der Scham zu befreien, die viele Gewaltopfer empfinden. Gewalt gegen Frauen ist aus ihrer Sicht kein privates Schicksal, sondern Ausdruck eines strukturellen Problems, das die gesamte Gesellschaft und jeden einzelnen angeht.

Bild: Privat

Gerhard Bereswill

Gerhard Bereswill engagiert sich in der Polytechnischen Gesellschaft e.V. im Arbeitskreis Krisenresilienz. Von 2014 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand Mitte 2022 war er Polizeipräsident der Stadt Frankfurt

Bild: Polizeipräsidium Frankfurt

Gloria Schmid

Gloria Schmid ist Soziologin und Sozialpädagogin und arbeitet seit vier Jahren im Frauenreferat der Stadt Frankfurt als Referentin der Koordinierungsstelle Istanbul-Konvention. Zuvor hat sie in verschiedenen Stationen des Gewaltschutzes für Frauen gearbeitet, zum Beispiel in einem Frauenhaus, einer Beratungsstelle oder an einem Forschungszentrum.  In Ihrer Tätigkeit als Referentin zur Umsetzung der Istanbul-Konvention in Frankfurt arbeitet sie gemeinsam mit der gesamten Hilfsstruktur in Frankfurt daran, Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zu verhüten und zu bekämpfen sowie mögliche Schutzlücken zu schließen.

Bild: Stadt Frankfurt

Prof. Dr. Ute Zillig

Prof. Dr. Ute Zillig ist Sozialwissenschaftlerin, Sozialarbeiterin und Traumafachberaterin und arbeitete mehrere Jahre im Bereich Beratung und Zuflucht für gewaltbetroffene Frauen. Seit 2020 hat sie die Professur Traumasensible Soziale Arbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences inne und lehrt und forscht zu den Themen sexualisierte und geschlechtsbezogene Gewalt. Sie ist ehrenamtliche Vorständin des Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe, Frauen gegen Gewalt e.V. (bff).

Bild: Ute Zillig

Petra Boberg

Petra Bollmann-Boberg ist seit 1996 Journalistin für Hörfunk und Fernsehen beim Hessischen Rundfunk. Als Redakteurin und Autorin arbeitet sie in der Rechercheredaktion von hr-iNFO und hat eine lange Erfahrung im Moderieren von Veranstaltungen. Petra Bollmann-Boberg studierte Germanistik und Politik in Frankfurt am Main und in Salamanca in Spanien. Sie ist spezialisiert auf Themen wie Bildung, Erziehung, Umwelt und Sozialpolitik. Und auch solche Dinge macht sie: Elf Monate lang als Quereinsteigerin arbeiten an einer Brennpunkt-Grundschule in Wiesbaden.

Bild: Diana Stein