Institut für Bienenkunde

VISION HONIGBIENE!

Neues Institut für Bienenkunde in Oberursel wird eröffnet

Nahezu auf den Tag genau vier Jahre nach der Grundsteinlegung haben Polytechnische Gesellschaft und Goethe-Universität Frankfurt am 18. September 2026 den Neubau des Instituts für Bienenkunde eröffnet. Das mehr als 15 Millionen Euro teure Bauwerk wurde komplett von der Polytechnischen Gesellschaft finanziert. Die Universität trägt die Kosten für die forschungsbezogene Ausstattung, Unterhaltung und den laufenden Betrieb. Gemeinsam tragen beide damit eine ökologisch bedeutsame Forschungseinrichtung, die auf einzigartige Weise naturwissenschaftliche Forschung, Wissenschaftsvermittlung und praktische Bienenzucht verbindet.  

Frankfurt/Oberursel, 18. September 2026. Ein neuer Ort für die Zukunft der Bienenforschung stellt sich vor: Am Freitag haben die Polytechnische Gesellschaft und die Goethe-Universität Frankfurt das neue Gebäude des Instituts für Bienenkunde in Oberursel eröffnet. Mit einem Investitionsvolumen von mehr als 15 Millionen Euro, vollständig ermöglicht durch die Polytechnische Gesellschaft, ist ein Forschungsgebäude entstanden, das wissenschaftliche Exzellenz mit konsequent nachhaltiger Architektur verbindet.

Anlässlich der feierlichen Eröffnung sprachen Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Präsident der Polytechnischen Gesellschaft, Prof. Dr. Bernhard Brüne, Vizepräsident für Forschung der Goethe-Universität Frankfurt, Antje Runge, Bürgermeisterin der Stadt Oberursel, und Prof. Dr. Bernd Grünewald, Leiter des Instituts für Bienenkunde und Professor am Fachbereich Biowissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt. Den musikalischen Rahmen setzte die Band Blind Foundation. Im Anschluss an die Grußworte folgte die offizielle Schlüsselübergabe an Prof. Grünewald als Hausherrn.

Unter dem Motto „VISION HONIGBIENE!“ lud das Institut danach die Gäste ein, das neue Gebäude kennenzulernen. Mitarbeitende, Studierende und Auszubildende des Instituts und des Fachbereichs Biowissenschaften gaben Einblicke in ihre aktuelle Forschung sowie die Zukunft der Bienenhaltung in Zeiten des Klimawandels; die Architekten präsentierten die Baugeschichte und das Nachhaltigkeitskonzept.

Forschung, Imkerei und Bildungsarbeit erstmals unter einem Dach

Der Neubau markiert einen Meilenstein in der Geschichte des Instituts für Bienenkunde. 1937 von der Polytechnischen Gesellschaft gegründet und heute gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt betrieben, verbindet das Institut auf besondere Weise universitäre Grundlagenforschung mit praktischer Bienenhaltung.

Mit dem Neubau werden nun Forschung, Lehre, Imkerei sowie Bildungs- und Vermittlungsarbeit an einem Standort zusammengeführt. Damit erhält das Institut zeitgemäße Bedingungen für seine wissenschaftliche Arbeit und zugleich neue Möglichkeiten, Forschung für unterschiedliche Zielgruppen sichtbar und erlebbar zu machen. Die moderne Ausstattung des Imkereitraktes veranschaulicht die Bedeutung des Instituts für Ausbildung und Imkerschaft.

Angesichts der gegenwärtigen ökologischen Herausforderungen ist klar: Bienen und andere Bestäuber übernehmen eine Schlüsselrolle in unseren Ökosystemen und in der Landwirtschaft. Wie sich Umweltveränderungen und der Klimawandel auf Bienen auswirken und wie eine zukunftsfähige Bienenhaltung aussehen kann, gehört deshalb zu den Themen, mit denen sich die Forscherinnen und Forscher am Institut intensiv beschäftigen.

Ein Forschungsgebäude als Beispiel für klimafreundliches Bauen

Auch das Gebäude selbst setzt Maßstäbe. Der Neubau wurde überwiegend in Holzbauweise errichtet, erfüllt den KfW-55-Standard und nutzt in hohem Maße lokale Umgebungsressourcen. Nach einschlägigen Kriterien für ökologisch nachhaltiges Bauen erreicht das Gebäude 98 von 100 möglichen Punkten. Eine eigene Photovoltaikanlage trägt zur Energieversorgung bei. Heizwärme wird über eine Wärmepumpe und vortemperierte Zuluft bereitgestellt. Auch beim Umgang mit Wasser folgt das Gebäude einem nachhaltigen Konzept: Regenwasser wird in einer Zisterne gesammelt beziehungsweise versickert über das natürliche Gefälle auf dem Grundstück. Dies trägt dazu bei, den Frischwasserverbrauch zu reduzieren.

Eingebettet ist das Institut in einen ökologisch gestalteten Vogel- und Insektengarten. Gebäude und Außenanlagen bilden damit ein Ensemble, in dem sich der Forschungsgegenstand des Instituts auch in Architektur und Freiraumgestaltung widerspiegelt.

Der Entwurf geht auf einen Architektenwettbewerb mit 72 Teilnehmern aus den Jahren 2018/2019 zurück. Den Zuschlag erhielt das Heidelberger Büro hs/c von Till Schweizer und Marcel Heller. Die Gäste der Eröffnungsfeier konnten sich davon überzeugen, dass das Ziel, die unterschiedlichen Funktionen des Instituts unter einem Dach zusammenzuführen und zugleich ein Gebäude zu schaffen, das höchsten Ansprüchen an Klima- und Artenschutz genügt, in einzigartiger Weise erreicht wurde.

Zitate:

Prof. Dr. Bernhard Brüne

„Die enge Zusammenarbeit der Goethe-Universität mit der Polytechnischen Gesellschaft beim Bieneninstitut ist ein Paradebeispiel für die feste Verankerung der Stiftungsuniversität in der bürgergesellschaftlichen Tradition, die Frankfurt und die Region Rhein-Main als Wissenschaftsstandort so besonders macht. Dieses gemeinsame Engagement ermöglicht Forschung, Lehre und Bildung im Dialog mit der Gesellschaft zu den Herausforderungen unserer Zeit. Der Erhalt unsere Ökosysteme angesichts der Folgen von Erderhitzung und Artensterben ist dabei eine der größten Aufgaben. In unserem Forschungsprofilbereich ,Sustainability and Biodiversity‘ setzen wir uns ganz besonders mit Nachhaltigkeits-, Biodiversitäts- und Umweltforschung auseinander – vom Erdsystem bis zur kleinen Honigbiene. Dass diese jetzt ein so schönes neues Zuhause hat, dafür danke ich der Polytechnischen Gesellschaft ganz herzlich.“

Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger

„Die Polytechnische Gesellschaft unterstützt seit vielen Jahren die Erforschung der Ökologie, Entwicklungsbiologie und Neurobiologie der Bienen mit einem besonderen Fokus auf die Honigbiene und die Imkerei. Unsere Wild- und Honigbienen sind für unsere Ökosysteme von essenzieller Bedeutung. Sie erfüllen mit ihren Bestäubungsleistungen nicht nur eine zentrale ökologische, sondern auch eine wichtige ökonomische Funktion im Wert von über drei Milliarden Euro im Jahr. Diese Funktion ist durch den anthropogenen Biodiversitätsverlust und Klimawandel stark gefährdet. Wir danken der Universität und dem Fachbereich Biowissenschaften für die effiziente und harmonische Kooperation, die diese Forschung ermöglich. Mit dem neuen Institutsgebäude und in naher Zukunft auch mit einer weiteren Professur wird die ganzheitliche Bienenforschung an diesem Standort auf ein neues Niveau gehoben, und der Lehre, der Öffentlichkeitsarbeit und der Kooperation mit Schulen werden ganz neue Möglichkeiten eröffnet.“

„Ich freue mich sehr, dass das Team um Bernd Grünewald die Chance hat, unter den technisch und architektonisch hochwertigen Rahmenbedingungen des neuen Gebäudes herausragende Forschungsleistungen zu erbringen.“

Prof. Dr. Bernd Grünewald

„Das neue Institutsgebäude ist ein großes Geschenk, das die Polytechnische Gesellschaft uns, den Forschenden, aber auch der Forschungslandschaft Frankfurt Rhein-Main, gemacht hat. Es ist etwas ganz Besonderes, dass die Bürgergesellschaft nicht nach dem Staat ruft, sondern der Wissenschaft selbst unter die Arme greift. Es zeichnet Frankfurt aus, dass sich hier ein aktives, verantwortungsbewusstes und gestaltungsfähiges Bürgertum in dieser besonderen Weise nicht nur für Kultur und Bildung, sondern eben auch für die Wissenschaft engagiert. So klein der Gegenstand unserer Forschung auch ist – unsere Arbeit ist von höchster Relevanz. Das wissen die Menschen, und wir erfahren viel Anerkennung für das, was wir hier tun. Die aktive Unterstützung seitens der Polytechniker geht jedoch weit darüber hinaus und ist für uns stets ein enormer Ansporn für unsere Arbeit am Oberurseler Bieneninstitut!“

Über das Institut für Bienenkunde

Das Institut für Bienenkunde wurde 1937 von der Polytechnischen Gesellschaft gegründet. Es verbindet universitäre Grundlagenforschung mit der praktischen Bienenhaltung und widmet sich zentralen Fragen der Biologie und des Verhaltens von Honigbienen sowie den Herausforderungen, denen Bienen und Bienenhaltung durch veränderte Umweltbedingungen gegenüberstehen. Die enge Zusammenarbeit mit der Goethe-Universität begann in den 1960er Jahren mit der Erforschung der Varroa-Milbe, eines für Bienenvölkern gefährlichen Parasiten. 2007 wurde die Kooperation vertraglich neu geregelt: Die Polytechnische Gesellschaft errichtete eine Stiftungsprofessur an der Goethe-Universität; das Bienen-Institut wurde als Tochter der Polytechnischen Gesellschaft Teil des Fachbereichs Biowissenschaften der Universität. Seit 2025 regelt eine Kooperationsvereinbarung die Zusammenarbeit neu: Die Polytechnische Gesellschaft sichert die Finanzierung der Stiftungsprofessur und überlässt der Universität das Gebäude und den angegliederten Insektengarten unentgeltlich auf unbestimmte Dauer; die Universität mit ihrem Fachbereich Biowissenschaften trägt die Kosten für die forschungsbezogene Ausstattung, Unterhaltung, das wissenschaftliche und technische Personal sowie den laufenden Betrieb.

Anschrift

Institut für Bienenkunde
Ebertstraße 39
61440 Oberursel