Vorstandsbericht

Arbeitskreise

Die Arbeitskreise trugen im Jahr 2025 ihren Teil zum Erfolg des polytechnischen Programms bei. Dabei spielen sie eine wichtige Rolle für die Themensetzung der Polytechnischen Gesellschaft. Die Arbeitskreise haben sich das Ziel gesetzt, ihr jeweiliges Thema besser in der Öffentlichkeit zu platzieren. Es sind Themen, die für die Zukunft von Stadt und Gesellschaft wichtig sind, die aber oft unter dem Radar der gesellschaftlichen Debatte bleiben.

Stefan Cornel - Sprecher des Arbeitskreises Krisenresilienz. Bild: Jochen Kratschmer

Die gilt beispielsweise für das Thema Inklusion. Es ist, so zumindest die Wahrnehmung bei den aktiven Mitgliedern des gleichnamigen Arbeitskreises, ein oftmals mit negativen Wertungen verbundenes Thema. Oft werden die Defizite der Inklusion in den Vordergrund gerückt. Daher will der Arbeitskreis Inklusion einen Beitrag dazu leisten, die Potenziale und die Erfolgsgeschichten von Inklusion stärker in das Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken. Er steuerte gleich mehrere Veranstaltungen zum Programm bei, etwa einen Workshop zur Einführung in die „Leichte Sprache“ oder eine inklusive Führung im Museum für Angewandte Kunst, beide in Kooperation mit der Lebenshilfe Frankfurt.

Ein besonderes Ereignis bildete die neue Ausgabe von „Literatur uneingeschränkt“, dem inklusiven Poetry-Projekt, das Schülerinnen und Schüler aus drei Frankfurter Schulen zur Arbeit an poetischen Texten zusammenbringt. Die Projektleitung verantwortet Franziska Deliry, Polytechnikerin, Deutsch- und Musiklehrerin sowie Inklusionsbeauftragte der Wöhlerschule. Der Poetry-Slammer Florian Cieslik kümmert sich um die künstlerische Leitung. In seinen Workshops lesen Kinder und Jugendliche mit und ohne Förderbedarf poetische Texte der zumeist deutschsprachigen Literatur und formulieren dann assoziative eigene Texte in Antwort auf die Klassiker. Bei der Aufführung zum Ende des Projekts tragen die Schülerinnen und Schüler ihre Texte vor. Durch die Mitwirkung der Schule am Sommerhoffpark, einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Hören, ist die Übertragung aller Texte in Gebärdensprache zentraler Bestandteil der Aufführung. Sie entfaltet einen besonderen ästhetischen Reiz, wenn die beiden Gebärdendolmetscherinnen Barbara Bruckmann-Herbst und Yvonne Barilaro die Worte der Kinder in ausdrucksstarke Bewegungen übertragen. In diesem Jahr fand Literatur uneingeschränkt in der Evangelischen Akademie statt, "Krieg und Frieden" lautete das Thema. (Mehr Infos.)

Zahlreiche Veranstaltungen steuerte der Arbeitskreis Krisenresilienz zum Abendprogramm bei. Hierzu zählte ein Vortrag der Ethnologin Dr. Anette Rein am 23. Januar. Unter dem Titel "Was macht uns stark? Religiöse Krisenritualisierung im interkulturellen Vergleich" ging die Polytechnikerin der Frage nach, wie religiöse Rituale und Praktiken bei der Bewältigung von Krisen helfen. Am 6. März folgte ein denkwürdiger Abend zur Rolle des Humors bei der Krisenbewältigung: "Keine Panik auf der Titanic. Warum wir trotzdem lachen" lautete der Titel der Gesprächsrunde, an der unter anderen die Chefredakteurin der in Frankfurt beheimateten Satirezeitschrift Titanic mitwirkte. Beide Veranstaltungen zeugen von dem Bestreben des Arbeitskreises, das Verständnis von Krisenresilienz auf eine breite Grundlage zu stellen und ihre Relevanz auf verschiedenen Ebenen zu veranschaulichen.

Der Fokus des Arbeitskreises bleibt indes auf der Vorbereitung und Bewältigung von Katastrophen. Hier konnte in Zusammenarbeit mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung und mit Unterstützung der Frankfurter Sektion des Deutschen Archäologischen Instituts die Archäologin Dr. Katja Piesker gewonnen werden. Ihr Vortrag am 21. Oktober widmete sich der Rettung von Kulturgütern im Katastrophenfall und insbesondere dem derzeit laufenden Aufbau von Kriseninterventionsteams, deren Hauptaufgabe die Sicherung und Rettung von Kulturgütern besteht, die durch eine Großkatastrophe bedroht sind. Die Bedrohungen durch Spionage und Sabotage aus dem Cyberspace waren Gegenstand eines Expertenvortrags am 10. November, den der Arbeitskreis in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Verfassungsschutz gestaltete. Schon eine Woche später, am 17. November, folgte ein Themenabend zur Psychosozialen Notfallversorgung in Frankfurt.

Ein weiteres wichtiges Engagement des Arbeitskreises ist die in Kooperation mit der Goethe-Lehrkräfteakademie gestaltete Workshopreihe „Krisenresiliente Schule“, die sich an Lehrkräfte und andere Multiplikatoren im pädagogischen Feld richtet. Weitere Kooperationspartner bei diesem Projekt waren die Feuerwehr Frankfurt und die Zentrale Jugendkoordination des Polizeipräsidiums Frankfurt.

Überdies setzte der Arbeitskreis seine Bemühungen um eine Vernetzung auf Bundesebene mit der Nationalen Plattform Resilienz. Hier arbeitete mit Gerhard Bereswill ein Vertreter des AK Krisenresilienz an der Erarbeitung von Empfehlungen zur Umsetzung der deutschen Resilienzstrategie mit (mehr Infos). Auch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Programmen der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, die insbesondere von Stefan Cornel betrieben wird, ist im Berichtsjahr fortgesetzt worden. Im Herbst 2025 kam es zudem zu mehreren Treffen mit Akteuren der Rettungsdienste aus Frankfurt, etwa der Arbeitsgemeinschaft Frankfurter Hilfsorganisationen, der Feuerwehr Frankfurt und des Polizeipräsidiums. Bei diesen Treffen wurden Ideen zur Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in die allgemeine Krisenvorsorge erörtert.

Der Arbeitskreis Startups blieb im Jahr 2025 zunächst seinem Arbeitsmodus treu, weniger im Rampenlicht zu arbeiten und seine Anstrengungen auf das vertrauliche Gespräch zu richten. Im Frühjahr trugen seine Bemühungen endlich Früchte: Wichtige Akteure der Gründungsförderung im Rhein-Main-Gebiet fanden sich auf die Vermittlung des Arbeitskreises zu einem abgestimmten Vorgehen zusammen, das darauf zielt, die Aktivitäten der hiesigen Startup-Förderung stärker zu bündeln und dadurch ihre Sichtbarkeit und Schlagkraft zu erhöhen. Auf Initiative von Prof. Dr. Volker Mosbrugger bildete sich ein Konsortium aus Goethe-Universität Frankfurt, Gutenberg-Universität Mainz, Technischer Universität Darmstadt und der Frankfurt School of Finance zur gemeinsamen Beteiligung am Leuchtturmwettbewerb „Exist Startup-Factories“ des Bundeswirtschaftsministeriums. Die erste Stufe des zweiteiligen Wettbewerbsverfahrens hatte die Partner bereits Ende 2024 genommen. Im ersten Halbjahr 2025 folgte die zweite Stufe mit einem ausgearbeiteten Konzept zur Förderung wissenschaftsbasierter Ausgründungen in der Rhein-Main-Region. Daraufhin traten die drei staatlichen Universitäten als Gesellschafter in die Futury GmbH ein, ein Unternehmen der Frankfurt School of Finance, das Startups und Industrieunternehmen zusammenbringen will. Am 24. März verkündeten die vier Universitäten die Unterzeichnung des Gesellschaftervertrags. Damit war der Arbeitskreis am Ziel angekommen.

Nach Abschluss dieses Projekts griff er Überlegungen aus dem Denkforum 2020 auf, Gründerinnen und Gründern aus Frankfurt eine Bühne bei polytechnischen Veranstaltungen zu bieten. So entstand das Konzept einer losen Reihe von Talks unter dem Titel „Gründerzeit“. Eine erste Veranstaltung fand am 13. November statt mit Marco Adelt, Mitgründer des Frankfurter Insurtech-Unternehmens Clark, und FAZ-Journalist Philipp Krohn unter dem Titel: „Wie viel Regulierung verträgt die digitale Innovation?“. Der Gesprächsabend erreichte ein eher kleines, aber überdurchschnittlich junges, engagiertes und im Thema versiertes Publikum, und sendete ein starkes Signal an jungen Menschen, die mit der Schule wenig Positives verbinden. Adelt erzählte von seiner unerquicklichen Schulzeit und wie er später trotz (oder vielleicht sogar wegen) seines schulischen Misserfolgs zu einem erfolgreichen Unternehmensgründer wurde. Die positive Resonanz beim Publikum bot ein gutes Beispiel dafür, wie auch kleinere Formate starke Impulse setzen können.

Der Arbeitskreis Nachhaltigkeit war im Jahr 2024 weitgehend in der Initiative „Frankfurt Next Generation“ (FNG) aufgegangen. Einige seiner Akteure verfolgten parallel dazu die Idee einer Veranstaltungsserie zum Thema „Energie“. Für die Idee wurde der Polytechniker Prof. Dr. Holger Podlech, Professor für Beschleunigerphysik an der Goethe-Universität, als Koordinator und Moderator gewonnen. Es wurden zunächst zwei Veranstaltungen der neuen Serie geplant, die allerdings erst im Frühjahr 2026 stattfinden sollten.

Das neu gebildete „Polyforum“ ist als Arbeitskreis gedacht, der den Austausch der Polytechniker untereinander fördern soll. Er ist keinem festen Thema gewidmet, sondern legt in jedem Jahr seine Schwerpunkte neu fest. Als erstes Jahresthema wählte die Runde das Thema „Bildung neu denken“. Das Polyforum versammelte Mitglieder mit unterschiedlichen Erfahrungen aus dem Bildungssektor und setzte sich das Ziel, ein Impulspapier mit programmatischen Vorschlägen zur Weiterentwicklung des Bildungsgeschehens in Frankfurt zu verfassen. Dabei sollten nicht nur Grundsatzfragen erörtert werden, sondern auch konkrete Vorschläge für neue Projekte entstehen, die im besten Fall in die Initiative "Frankfurt Next Generation" einfließen. Die Runde nahm sich überdies vor, ihre Ergebnisse bei einer Abschlussveranstaltung im Frühling 2026 zu präsentieren.

Die Jungen Polytechniker konzipierten eine eigene Veranstaltung als Beitrag zum Herbstprogramm der Polytechnischen Gesellschaft. Eine Podiumsrunde unter dem Titel „Bauen für Bildung“ widmete sich am 5. November der Frage: „Wie sollen wir unsere Schulen gestalten?“. Bildungsdezernentin Sylvia Weber, der ehemalige Stadtschülerrat Moritz Endres, der Architekt Jon Prengel, die Lehrerin und Sprecherin der Jungen Polytechniker Suzanne Cadiou sowie Kati Ahl als Moderatorin wirkten an diesem Abend mit.

Damit beteiligten sich erstmals seit ihrer Gründung im Jahr 2020 alle Arbeitskreise und Gruppen der Polytechnischen Gesellschaft am Veranstaltungsprogramm mit: Insgesamt zehn Veranstaltungen von September 2025 bis Mai 2026 sind auf Initiativen aus dem Kreis der Mitglieder zurückzuführen. Dabei wurden die Arbeitskreise auch der ihnen zugedachten Rolle gerecht, Themen auf die öffentliche Agenda zu setzen. Die Arbeitskreise wirken als „Labore", besetzen zum Teil ungewöhnliche Themen und testen neue Formate. Genauso ist es möglich, dass Arbeitskreise sich wieder auflösen, wenn sie ihre Aufgabe als erfüllt betrachten, oder dass eine Allianz williger Mitglieder Arbeitskreise zu neuen Themen gründet, sofern dies in Absprache mit dem Vorstand erfolgt. Künftig sollten die Arbeitskreise, so eine Überlegung des Vorstands, ihre Aktivitäten noch stärker in die Initiative „Frankfurt Next Generation“ einbringen. Schließlich stellen die Arbeitskreise eine Form der Zusammenarbeit dar, aus der heraus sich die Polytechnische Gesellschaft direkt mit der Stadtgesellschaft vernetzt. Konkret wird das zum Beispiel dadurch, dass über die Arbeitskreise auch Nichtmitglieder in das ehrenamtliche Engagement unter dem Dach der Polytechnischen Gesellschaft eingebunden werden können. Diese Möglichkeit sollte aus Sicht des Vorstands noch stärker genutzt werden.