Das neue Gebäude des Bieneninstituts ist fertig, der Vertrag zwischen der Polytechnischen Gesellschaft und der Goethe-Universität wurde im Oktober 2025 unterzeichnet. Damit endet für das Team des Instituts um seinen Leiter, Prof. Bernd Grünewald, die arbeitsintensive Planungs- und Bauphase. Es begann die nicht minder anspruchsvolle Aufgabe, das Institut auszustatten und den Betrieb an die Universität anzubinden: nahezu alle Verwaltungsabläufe, mit Ausnahme der Forschung und Hochschullehre, die bereits vorher schon über die Universität liefen, müssen umgestellt werden. Der Umzug in das Neue Institut für Bienenkunde findet Ende März 2026 statt. Allerdings sind die ersten „Mitarbeiterinnen“ des Instituts schon viel früher in die Ebertstraße eingezogen: zwei Bienenvölker stehen bereits seit April im Institutsgarten, denn die Schulklassen der Region entdeckten 2025 als Erste während ihrer „Forschertouren im Bienengarten“, dass die Bienen sich im neuen Domizil sehr gut eingelebt hatten.
Die Forschungsprojekte werden bis zum Umzug ohne Unterbrechung weitergeführt. Lydia Rongstock hat ihre Doktorarbeit im August 2025 erfolgreich verteidigt. Sie zeigt darin am Beispiel Frankfurt und Umgebung, wie sich Nahrungsangebot und Klima im Verlauf der Brutsaison auf das Überleben von Hummelvölkern auswirken. Doktorand Markus Middeke konnte nachweisen, dass Gelee Royal, der Futtersaft mit dem jene Larven, die später als Königinnen schlüpfen, während der gesamten Entwicklungsdauer gefüttert werden, eine hohe Dosis des Botenstoffes Acetylcholin enthalten. Acetylcholin wird mit dem Futtersaft von Ammenbienen an die Larven verfüttert und ist ein wichtiger Regulator der Larvenentwicklung. Demgegenüber enthält der Futtersaft einer Arbeiterin oder eines Drohns nur in den ersten Tagen eine hohe Dosis der Substanz. Welche Gene durch das Acetylcholin reguliert werden und welche Gene die Gehirnentwicklung steuern, sind Fragen, die Dr. Oksana Netschitailo am Institut aktuell beschäftigen. Zwei Bachelorarbeiten unter ihrer Leitung begaben sich auf die Suche danach. Die Hypothese ist, dass Acetylcholin über das Juvenilhormon wirkt, welches an der Arbeitsteilung und der Kastenbildung im Bienenvolk beteiligt ist. Doktorandin Katharina Wolf, seit August 2025 im Team, untersucht in ihrem Projekt das Zusammenspiel von Acetylcholin und Juvenilhormon. Außerdem ist es den jungen Wissenschaftlern gemeinsam gelungen, die gesamte Embryonalentwicklung einer Arbeiterin unter einem Lichtscheibenmikroskop in hoher räumlicher Auflösung aufzuzeichnen. Damit ist es erstmals gelungen, die komplette in vivo Embryogenese eines sozialen Insekts zu visualisieren. Eine entsprechende Fachpublikation mit den Ergebnissen ist 2025 erschienen.
Neben der universitären Lehre in den biowissenschaftlichen Bachelor- und Masterstudiengängen nimmt die Berufsausbildung am Institut einen hohen Stellenwert ein. Handwerk und Forschung arbeiten Hand in Hand und ergänzen sich wechselseitig. Die Ausbildung zum Tierwirt mit Fachrichtung Imkerei dauert 3 Jahre; die Auszubildenden erlernen darin alle Arbeiten rund um den Umgang mit Bienenvölkern. Sie müssen aber auch immer das Wetter und die Trachtsituation im Blick halten. Die Biologie und die Krankheiten der Bienen stehen ebenso auf dem Lehrplan wie Honiggewinnung und Wachsverarbeitung sowie deren Vermarktung. Die angehenden Handwerker werden geschult im Umgang mit Werkzeugen und in der Instandhaltung von Imkereimaterialien. Sie müssen verstehen, welche Blütenpflanzen für die Honigbienen wichtig sind, wann und wo sie blühen, und wie sie gute Standorte für Bienenstände auswählen. Die Bienenhaltung ist – kurz gesagt – eine sehr komplexe Aufgabe und die Ausbildung entsprechend anspruchsvoll. Im August 2025 haben Nele Rühl und Marvin Vogel ihre Gesellenprüfungen erfolgreich absolviert. Frau Rühl konnte aufgrund ihrer sehr guten Abschlussnote noch für ein halbes Jahr weiterbeschäftigt werden.
Beide Säulen, Bienenzucht und Bienenforschung, tragen Praxis und Forschung am Institut für Bienenkunde. Im modernen neuen Gebäude finden Wissenschaftler und Imker, Studierende und Auszubildende neue, wesentlich bessere Arbeitsbedingungen vor.
Prof. Dr. Bernd Grünewald